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In den Bergen von Sichuan

In den Bergen von Sichuan

6. November2014

Seit etwa 2 Wochen radeln wir nun durch die grünen Berge im Südosten Chinas. Wir haben hier unsere sportliche Herausforderung gefunden! 1000 Höhenmeter an einem Tag zu erklimmen, ist normal für uns geworden. Wir staunen immer wieder am Ende eines Tages über unsere Leistung, schauen dann auf unsere wachsenden Bäuche (das chinesische Essen ist gefährlich lecker!) und fragen uns, wie das alles zusammen passt China stand bei unserer ursprünglichen Planung überhaupt nicht auf der Liste der Länder, die wir bereisen wollten. Auch hatten wir uns nie besonders auf dieses Land gefreut. Nach einem Monat in diesem Land sind wir aber sehr positiv überrascht und froh, einige Vorurteile gegebenüber dem Land und den Leuten abgebaut zu haben.

Wir haben die Chinesen bisher als sehr hilfsbereit und freundlich kennengelernt. In China sprechen meist nur die sehr gebildeten Leute Englisch, so dass sich für uns immer wieder Schwierigkeiten in der Kommunikation ergeben. Nicht selten hält dann ein hilfsbereiter Mensch an und übersetzt für uns – egal wie lange unsere Angelegenheit dauert, sie sind immer sehr geduldig und tun alles, um uns zu helfen. Aber auch wenn sich kein Übersetzer findet, können wir uns immer irgendwie verständlich machen – manchmal halt eher schlecht als recht. So haben wir am Ende beispielsweise drei Gerichte, statt dem bestellten einen oder ein Gericht mit Schweineinnereien vor unserer Nase stehen Für die Chinesen ist es immer wieder unverständlich, dass wir deren Schrift nicht lesen können. Und auch wenn klar ist, dass wir kein Chinesisch sprechen, reden sie immer wieder auf Chinesisch auf uns ein – wir antworten manchmal einfach auf Deutsch, macht eh keinen Unterschied “Hello” und “Bye bye” kennt dagegen jeder Chinese und so werden wir immer wieder freundlich gegrüßt (unser “Ni Hao ” klappt aber auch immer ganz gut). Wenn wir dann mit einem “Hello” antworten, lachen die Grüßenden lauthals los oder kichern – ja, die Chinesen sind auch ein sehr fröhliches Volk Wir wurden sogar öfter zum Essen eingeladen – einmal selbst in einem Restaurant von dem Besitzer! Was uns außerdem absolut gut gefällt ist die Landschaft. Wir fahren hier durch wolkenverhangene Berge, die je nach Höhe mal dicht mit Bananenbäumen oder Nadelwäldern bewachsen sind. Ein paar Kilometer weiter kommen wir dann an felsigen Klippen bei strahlendem Sonnenschein vorbei. Wir sind erstaunt, wie viel fast unberührte Natur sich doch hier finden lässt, das hatten wir so auch nicht erwartet. Was uns dagegen überhaupt nicht gefällt ist der Verkehr. Oftmals wird ohne Rücksicht an den beklopptesten Stellen überholt. Auch wenn der Gegenverkehr offensichtlich im Weg ist. Hier gilt dann tatsächlich das Recht des Stärkeren – oder das Recht der lautesten, penetrantesten Hupe. Und die Hupen der chinesischen Autos sind unglaublich laut! Nicht selten schmerzen uns die Ohren, wenn wir mal wieder in der Kurve einer Serpentine von einem Bus überholt werden, der als Warnung für den möglicherweise entgegenkommenden Verkehr die Hupe dauerhauft betätigt – und zwar direkt neben uns! Dabei lernen wir uns selber auch von einer ganz anderen Seite kennen. Die schlimmsten Beschimpfungen gehen uns dann lauthals von den Lippen und deutliche Gesten in Richtung des rücksichtslosen Fahrers bringen unser Missfallen der Situation zum Ausdruck Auch die Luftverschmutzung ist nicht ohne. Gerade an steilen Anstiegen mit viel Verkehr leiden unsere Lungen sehr und wir tragen unsere Buffs über Nase und Mund, um die Luft zumindest ein wenig zu filtern. Immerhin ist die Straßenqualität meistens wirklich gut, was unser Vorankommen sehr begünstigt. Und so schreiben wir diesen Reisebericht von dem wunderschönen Lugu-See, an dem wir uns heute einen Pausentag gönnen.

Mit dem Zug kamen wir spät abends in Chengdu an und wurden von unseren Couchsurfing-Hosts empfangen. Wir blieben für 4 Nächte bei Josh und John und haben dort sehr viele andere Reisende und Chinesen, die eifrig Englisch lernten, kennengelernt. Unsere “Unterkunft” war nämlich das “Friends´ House”, in welchem die beiden Englisch unterrichten und verschiedene Events organisieren um Menschen zusammen zu bringen. So war eigentlich jeden Abend immer etwas los und wir waren mittendrin und fanden uns plötzlich als Moderatoren in einem spontanen Vortrag über unsere Reise wieder Unsere ersten Kontakte zu jungen Chinesen waren ausschließlich positiv und wir genossen es, uns auf Englisch über unterschiedliche Kulturen und Ansichten auszutauschen – ein sehr guter Start für unsere Radreise durch China! In Chengdu tauchten wir tief in die kulinarische Vielfalt ein und probierten Nudeln in den verschiedensten Ausführungen und Schärfegraden. Außerdem stand neben einem Friseurbesuch auch ein wenig Sight-Seeing auf dem Programm: wir besuchten das buddhistische Wenshuyuan-Kloster und natürlich wollten wir auch einen Blick auf das National-Tier Chinas werfen – den gemütlichen, niedlichen, verfressenen Panda

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Die ersten Kilometer auf den Fahrrädern nach einer Woche Faulenzen führten uns einen halben Tag lang durch die Stadt und die Ausläufer Chengdus. Wir waren erstaunt wie viel an den Rändern der Stadt noch neu gebaut wird. Wir fuhren eine neu gebaute Straße entlang mit Bushaltestellen, Fußgängerüberwegen – nur nichts war drum herum! Die Planungen scheinen also noch weiter zu gehen. Nach den kleinen Städten Zentralasiens war dieser Bauwahn ein regelrechter Kulturschock für uns. Doch wir genossen diesen Bauwahn auch ein wenig, denn er brachte uns überall neue Straßen mit breiten Seitenstreifen oder sogar innerhalb der Städte Fahrradwege, die allerdings vorrangig von Elektrorollern genutzt werden. Die ersten 180 km bis Leshan waren glücklicherweise schnell geschafft, denn wir radelten durch besiedelte, flache Landschaften mit viel Verkehr. Jeder freie Quadratmeter schien für die Landwirtschaft genutzt zu werden. Da wo leichte Steigungen waren, wurden die Felder durch das Anlegen von Terrassen leichter zugänglich gemacht. Anders als in Europa entstanden dadurch viele kleine Parzellen, die nur mit der Hand bewirtschaftet werden können.

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In Leshan wollten wir uns nicht den super großen, in den Berg gehauenen Buddha entgehen lassen, der verantwortlich dafür ist, dass die an ihm vorbei fließenden Flüsse beschiffbar wurden. Ursprünglich war die Strömung des Dadu zu stark, so dass Schiffe ihn nur schwer passieren konnten. Mit dem Bau des Buddhas wollte der Mönch Haitong die unruhigen Gewässer beruhigen. Nach der Vollendung des Buddhas trat tatsächlich ein, was der Mönch erhofft hatte: Die Strömung nahm ab und Schiffe konnten gefahrlos passieren. Ob die Ursache dafür der Buddha selber ist oder die großen Mengen abgetragenen Gesteins, welche in den Fluss geworfen wurden, ist nicht an uns zu beurteilen Die Idee, den Buddha zu besuchen hatten neben uns auch noch zahlreiche chinesische Touristen. Und so wurden wir erstmals mit dem Drängeln um das beste Foto konfrontiert… wir hoffen, uns gut durchgesetzt zu haben

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Von Leshan aus starteten wir bei dichtem Nebel in die Berge. Der Nebel hielt sich hartnäckig. Auf den beiden kleineren Pässen, die wir an dem Tag bezwangen, hatten wir daher leider überhaupt keinen Ausblick. Wir fuhren aber immer wieder durch kleine Bergdörfer. Die Menschen trockneten ihre Erträge der Felder (Mais, Getreide, Chilis, Erdnüsse….), indem sie sie fast kunstvoll an die Hauswände hingen oder auf dem Boden ausbreiteten. In fast jedem noch so kleinen Dorf findet sich in China wohl auch immer mindestens ein Restaurant. So konnten wir einfach, wenn wir hungrig waren, anhalten und wirklich leckeres lokales Essen für kleines Geld (für zwei Personen zahlen wir meist ca. 30 Yuan (5$) und sind dann pappsatt) genießen. Klar ist aber wohl auch, dass diese Restaurants nie den Hygienestandards Europas entsprechen. Die Wände und der Boden sind oft dreckig, aber Geschirr und das Essen scheinen immer keimfrei zu sein. Hier in China haben wir noch gar keine Probleme mit der Verdauung gehabt! Am gleichen Tag schafften wir es noch in Ebian anzukommen. Wir fanden ein sehr gutes, aber verhältnismäßig teures Hotel für 150 Yuan (25$) und ließen den Abend mit einem Tatort als Belohnung ausklingen Unsere Beine waren nach den 95 km und 1200 Höhenmetern auch müde.

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Bei unserer Routenplanung für den folgenden Tag mussten wir bereits im Vorhinein feststellen, dass auch außerhalb Tibets nicht jede Region Chinas für Individualtouristen ohne Sondergenehmigung zugänglich ist. Wir standen tatsächlich nach 5 km vor einem Schild, welches uns die Durchreise untersagte (vorausgesetzt, wir gelten als Aliens ). Für uns aber kein Problem, da wir sowieso nicht in diese Region reisen wollten. Wir bogen also auf die X149 ab. Am Abend übernachteten wir in einem kleinen Dorf, wo sich angeblich 3 Hotels befinden sollten. Wir fanden durch Fragen nur eins und waren froh, eine Unterkunft gefunden zu haben. Zelten war aufgrund der hohen Luftfeuchtigkeit und des engen Tals keine Option für uns. Außerdem hatte Bine im Laufe des Tages ein dickes, rotes Auge bekommen und hatte Schmerzen. Es gab glücklicherweise eine kleine Apotheke im Dorf, in der wir mittels Google Translate und Icoon nach Augentropfen fragten. Es gab allerdings nur Augentropfen, die Antibiotika gegen Bindehautentzündung enthielten. Ohne eigentlich eine genaue Diagnose zu haben, kauften wir diese – besser als nichts! Auf Verdacht Antibiotika zu nehmen ist ja eigentlich überhaupt nicht unser Vorgehen, aber mit dem Auge in diesem Zustand war mit dem Wind und dem Staub nicht ans Weiterfahren zu denken. Glücklicherweise halfen die Augentropfen und die Ruhe in der Nacht, so dass wir am nächsten Morgen mit leicht geschwollenem Auge weiterfuhren. Laut Google gab es 30 km weiter das nächste Hotel vor einem langen Anstieg. Als wir jedoch im Ort ankamen und nach diesem Hotel fragten, wurden wir nur lachend in eine Richtung verwiesen. Nach einigen Schwierigkeiten der Kommunikation konnten wir in Erfahrung bringen, dass das Hotel wohl aufgrund der Bedingungen nicht zu empfehlen sei. Also aßen wir erst einmal Mittag mit unserem netten Helfer “King of the Ming”, der uns kurzerhand zu unserem üppigen Mittagessen einlud, und setzten unsere Fahrt fort. Schließlich hatten wir ja auch noch unser Zelt, welches uns auch trotz der Luftfeuchtigkeit lieber ist als ein ranziges Hotelzimmer. Wir nutzten also noch den Tag und machten ein paar Höhenmeter, um den nächsten Tag zu entlasten. Wir fanden einen Zeltplatz auf einer kleinen Feldterrasse und hatten für den nächsten Tag noch 1000 Höhenmeter vor uns – machbar! Leider stellten wir beim Auspacken unseres Camping-Equipments fest, dass sich an einer Matratze Schimmel gebildet hatte. Irgendwie war wohl Feuchtigkeit in die Tasche gekommen. Sehr ärgerlich! Da blieb nur ordentlich abwischen. Es war so feucht, dass alles, was wir aus den Taschen holten, sich nach kurzer Zeit klamm anfühlte. Wir begannen, die Sinnhaftigkeit die Campingsachen mit uns herum zu schleppen, anzuzweifeln….

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Am nächsten Morgen packten wir also alles feucht ein und hofften auf gutes Wetter gegen Mittag, um alles trocknen zu können. Wir hatten Glück! Wir fuhren bei Sonnenschein auf den 2900 m hohen Pass hinauf. Ca. 10 km vor dem Pass wurde die Straße plötzlich zu einer rauen Piste, welche aber gut befahrbar, da sich keine lockeren Steine auf der Straße befanden. Wir kämpften uns die immer wieder sehr steilen Abschnitte hinauf und kamen noch vor der Mittagspause oben an. Ein grandioser Ausblick belohnte uns und wir machten ausführliche Zielfotos Danach ging es bis kurz vor Meigu bergab durch Dörfer, die von den Yis bewohnt werden. Die Yi sind eine der vielen Minderheiten in China. Wir hatten den Eindruck, mit einem Mal fast nur noch Frauen bei der Arbeit zu sehen. Die Männer saßen größtenteils mit einer Flasche Bier in der Hand beisammen. Wir vermieden es, in den Dörfern anzuhalten, da wir ein ungutes Gefühl hatten. Wir steuerten Meigu an, um dort ein Hotel zu nehmen. Unsere Wahl war allerdings nicht sehr glücklich und wir mussten erstmals ein Zimmer mit Kakerlaken teilen. Dies war wohl auch ein Grund dafür, dass wir uns in der Stadt überhaupt nicht wohl fühlten. Am nächsten Morgen verließen wir fast fluchtartig die Stadt.

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Es ging nach Meigu sehr lange bergab mit immer wieder kleinen Gegensteigungen auf einer sehr guten Straße. Bergauf begrüßte uns dann eine ganz neue Straße, die frisch in den Berge gesprengt war und uns auf dem Weg nach Zhaojue so einige Höhenmeter ersparte. Es ging entlang eines Flusses durch enge Täler im Wechsel mit besiedelten und bewirtschafteten, breiten Tälern. In Zhaojue entpuppte sich unsere Hotelsuche erstmalig als etwas schwieriger. In den Hotels, in denen wir anfragten, durften wir als Touristen nicht unterkommen. Uns blieb also nur das von der Regierung geführte Hotel, das natürlich auch seinen Preis hatte, dabei aber nicht unbedingt mehr Qualität bot. Trotzdem hatte es etwas Gutes, denn so lernten wir Yun-Chuan kennen, die uns an der Rezeption als Übersetzerin behilflich war. Sie freute sich, mal wieder ihr Englisch praktizieren zu können und wir freuten uns über den Kontakt zu einer Englisch sprechenden Chinesin. Also beschlossen wir, gemeinsam zu Abend zu essen. Wir wurden von ihr eingeladen, sie zum Essen mit ihren Arbeitskollegen zu begleiten. Yun-Chuan arbeitet bei dem “Sichuan Research Institute of Nationalities” und setzt sich für die Yi-Minderheit ein. Aktuell führt sie ein Projekt durch zur Aufklärung der Frauen. Von ihr erfuhren wir viel über die Yi-Minderheit: Unser Eindruck, dass die Rolle der Frauen eher untergeordnet ist, bestätigte sie. Drogen stellen ein großes Problem dar. Oft sterben Elternteile an den Folgen und hinterlassen so Halb- oder sogar Vollwaisen. Was uns total schockierte war die Abhängigkeit der Familie vom Familienvater. Wenn der Vater stirbt, heiratet die Mutter neu. Falls dies nicht innerhalb der Familie des Vaters möglich ist (z.B. Bruder des Ehemannes), lässt sie ihre Kinder zurück. Die Kinder werden dann von der Familie des Vaters groß gezogen. Meist haben die Yi auch eine sehr geringe Bildung. Das gemeinsame Essen mit Yun-Chuan und ihren Arbeitskollegen war sehr nett und interessant. Wir lernten ein paar neue Verhaltensregeln kennen. Zum Beispiel wird Bier aus Pinnchen getrunken und immer mal wieder wird ein Teilnehmer der Runde zum Trinken aufgefordert. Das Pinnchen wird dabei geext.

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Auf der gesamten Strecke nach Xichang hatten wir eine im Bau befindliche Straße vor uns. Das hieß: Schlaglöcher und rote Staub-/Schlammpiste wechselten sich ab. Wir starteten wie immer morgens früh, wenn es noch so richtig kalt ist. Der Nebel hing tief und die Luftfeuchtigkeit war total hoch. Nach kurzer Zeit hatten wir Wassertropfen in den Haaren (und im Bart ) und die Klamotten waren total feucht. Die feuchten Klamotten zogen den roten Staub förmlich an und auch unsere Gesichter waren rot Wir radelten durch den von Trucks, Bussen und schnellen Autos aufgewirbelten Staub auf 3200 m Höhe. Immer wieder trafen wir auf Baustellen, für die der Straßenabschnitt in beide Richtungen komplett gesperrt werden musste. Manchmal hatten wir Glück und durften mit unseren Fahrrädern einfach durch fahren. Das hieß aber auch unter Umständen, die Fahrräder über die liegen gebliebenen, lockeren Steine zu tragen. Die wartenden Autofahrer schienen das Prozedere schon zu kennen und auch die Bewohner der umliegenden Dörfer hatten sich die Baustellen zu Nutze gemacht und verkauften mitten im Nirgendwo Snacks und Getränke. An diesem Tag erprobten wir besonders unsere Schimpf- und Fluch-Kompetenzen auf hupende und rücksichtslose Autofahrer. In Xichang checkten wir ins Hotel für zwei Nächte ein, denn wir hatten Großes vor: Am nächsten Tag nutzten wir einen Zauberspruch namens “China Post” und erleichterten unsere Fahrräder um insgesamt 22 kg. Die Entscheidung fiel uns wirklich schwer! Unsere Erfahrungen der letzten Tage hatten uns dazu bewogen, unsere gesamte Camping-Ausrüstung nach Deutschland zu schicken. Wir hatten so wenig Möglichkeiten zum Zelten gehabt (damit meinen wir wirklich SCHÖNE Zeltplätze, am Straßenrand findet man immer einen Platz, wenn man will….), die schimmelige Matratze und die Probleme, die Daunenschlafsäcke trocken zu halten waren auch schlagende Argumente. Wir sahen keinen vernünftigen Grund darin, diese ganzen Kilos sinnloserweise mit uns herum zu tragen, um innerhalb eines Monats vielleicht zwei Mal Gebrauch davon zu machen. Wir hatten uns lange informiert, wie es anderen Reiseradlern in Südostasien ergangen ist und alle Erfahrungen bestätigten unseren Entschluss. Außerdem waren wir besorgt, dass uns alles am Ende wegschimmelt. Wir hoffen, dass unsere beiden schweren Pakete mit jew. 11 kg unbeschädigt innerhalb der nächsten 2 Monate in Deutschland eintreffen. Und so können wir von nun an unsere weitere Fahrt federleicht mit nur jeweils zwei großen Taschen fortsetzen!

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Die fehlenden Kilos machten sich deutlich bemerkbar! Unsere Tagesleistungen erreichten neue Höhen. Nach Xichang ging es zunächst gemächlich bergauf und wir erreichten bereits nachmittags unser Tagesziel nach 75 km. Wir fanden wieder ein gutes Hotel in dem kleinen Dorf Pingchuanzhen und aßen in dem Restaurant direkt neben unserem Hotel. Der Restaurantbesitzer freute sich scheinbar so sehr über unseren Besuch, dass er uns einfach noch ein weiteres Gericht spendierte und Kleinigkeiten zum Probieren auf den Teller legte. Als wir schon aus dem Restaurant hinaus waren, lief er noch hinter uns her und drückte uns zwei kalte Red-Bull-Dosen in die Hand. Es schien er ahnte, dass wir am nächsten Tag die Energie nötig hatten! Kurz nach Sonnenaufgang begannen wir gemeinsam mit den Schulkindern, die auf dem Weg zur Schule waren, unseren Anstieg um 1500 m auf 3300 m. Das war wirklich hart!!! Aber wir kamen bereits gegen 2 Uhr oben an. Uns blieb als Zielfoto leider nur ein Foto mit eine Yak, denn der Blick war komplett verbaut mit Supermärkten. Die lange Abfahrt auf guter Straße genossen wir bei wenig Verkehr, Sonnenschein und schönen Blicken auf noch höhere vor uns liegende Berge (die wir aber zum Glück nicht überqueren müssen!!!). Im Tal wurden massenhaft Äpfel angebaut und wir rollten zwischen Apfelplantagen immer weiter bergab bis nach Meiyu, wo wir mit 1770 Höhenmetern und 73 km in den Beinen erschöpft ankamen.

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Wir hatten uns entschieden, einen kleinen Umweg zu machen hoch zum Lugu-See, einen der größten Gebirgsseen Asiens. Im Vergleich zu den Tagen zuvor war unsere Strecke dort hin ein Klacks. Als wir an der Pforte zum See ankamen, wurden wir allerdings aufgehalten und aufgefordert, ein Ticket zu kaufen, um das Gebiet um den See betreten zu dürfen. Pro Person wollten sie 80 Yuan (12$) von uns haben, was wir natürlich überhaupt nicht einsahen, weil wir kein Interesse an den Sehenswürdigkeiten abseits der Hauptstraße um den See hatten. Nach einer einstündigen Diskussion – mal wieder mit der Hilfe Englisch sprechender Chinesen – durften wir dann für 80 Yuan für uns beide die Straße um den See befahren. Nach 100 km, den obligatorischen 1000 Höhenmetern und den vorangegangenen Tagen waren wir so K.O., dass wir in das erste Hotel auf unserem Weg eincheckten. Wir verbrachten dann einen gemütlichen Tag und radelten um den See bis hier zu dem niedlichen Touristen-Dorf Lige. Der See ist wirklich schön. Außer uns scheint es aber nur chinesische Touristen zu geben, die sich jedoch zur Abwechslung mal ganz entspannt auf der Jagd nach den besten Fotos verhalten. Hier scheint irgendwie jeder Zeit zu haben. Viele erkunden den See ebenfalls mit dem Fahrrad oder Elektroroller. Einen merkwürdigen Beigeschmack hat für uns nur die Tatsache, dass man Eintritt für eine Landschaft zahlen muss, in der auch Menschen wohnen. Es macht die Einwohner irgendwie zu einem Teil der Attraktion… ein bisschen wie im Zoo. Trotzdem genießen wir hier das gute Wetter und die klare Luft und machen uns morgen gut ausgeruht auf den Weg weiter in Richtung Lijiang.

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Bericht im Reiseverlauf »

Gefahrene Strecke

    2 Kommentare

  1. Hallo ihr Beiden

    So nun melde ich mich hier auch mal zu Wort, anstatt eure Reiseberichte immer nur zu lesen.
    Ihr seht klasse aus und es ist toll zu sehen, was ihr schon alles erlebt habt und wie weit ihr gekommen seid. Seid stolz auf euch und genießt weiterhin alle Erlebnisse und Eindrücke

    Weiterhin gutes Radeln und beste Grüße aus Witten (das Umziehen hab ich noch immer nicht geschafft ;-))
    Lena

    • Ein Umzug kann doch sicherlich auch warten, bis wir wieder da sind? Vielleicht haben wir es dann demnächst nicht mehr so weit zueinander! … Wobei mir mittlerweile jede Entfernung innerhalb NRWs mit dem Fahrrad zu bewältigen zu sein scheint

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